Die Freie und Hansestadt Hamburg hat im Januar 2026 eine neue Studie zur Prozesswärme veröffentlicht. Das von HIC Consulting gemeinsam mit PlanEnergi erstellte Gutachten ist ein Baustein der kommunalen Wärmeplanung und ergänzt diese erstmals systematisch um den industriellen und gewerblichen Wärmebedarf.
Prozesswärme als Baustein der kommunalen Wärmeplanung
Mit dem Hamburgischen Klimaschutzgesetz ist Hamburg verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Der Hamburger Wärmeplan befindet sich derzeit in der Ausarbeitung und muss nach dem (Bundes-)Gesetz zur Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (WPG) bis zum 30. Juni 2026 vorliegen. Seit Inkrafttreten des WPG umfasst diese Planung nicht mehr nur die Gebäudewärme, sondern auch die Prozesswärme in Industrie und Gewerbe.
Genau hier setzt die Studie „Wärmeplanung Hamburg – Teilbereich Prozesswärme“ an. Sie untersucht jene Wärme, die für industrielle Herstellungs-, Weiterverarbeitungs- und Veredelungsprozesse benötigt wird – etwa in Form von Dampf, Heißwasser oder Thermoöl.
Industrie prägt Hamburgs Energie- und Emissionsbilanz
Als bedeutender Industriestandort weist Hamburg einen hohen Energiebedarf im verarbeitenden Gewerbe auf: Rund ein Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs entfällt auf diesen Sektor. Die Analyse zeigt, dass der Prozesswärmebedarf stark von wenigen energieintensiven Branchen dominiert wird. Dazu zählen insbesondere:
- Metallerzeugung und -bearbeitung
- Mineralölverarbeitung
- Lebensmittel- und Futtermittelindustrie
Eine umfassende, unternehmensübergreifende Erfassung dieser Prozesswärmebedarfe fehlte bislang. Die nun vorliegende Studie schließt diese Lücke auf Basis einer detaillierten Bottom-up-Analyse.
Datengrundlage mit hoher Aussagekraft – bei vollem Datenschutz
Die Untersuchung basiert auf einer unternehmensindividuellen Datenbasis, die der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) als planungsverantwortlicher Stelle vorliegt. Für die Veröffentlichung wurden alle Ergebnisse so aggregiert, dass Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse vollständig geschützt sind und keine Rückschlüsse auf einzelne Unternehmen möglich sind.
Zentrale Ergebnisse: Hoher Bedarf, große Transformationspotenziale
Der heutige Prozesswärmebedarf der relevanten Hamburger Unternehmen liegt bei rund 10,3 TWh pro Jahr. Besonders hohe Bedarfe und Treibhausgasemissionen konzentrieren sich räumlich im Süden und Südwesten der Stadt, insbesondere in den Industriegebieten rund um den Hafen.
Potenziale zur Dekarbonisierung
Im Rahmen der Studie identifizierte das Projektteam von HIC Consulting mehrere zentrale Hebel für die klimafreundliche Transformation der Prozesswärme:
- Fernwärme: Viele Betriebe liegen in Wärmenetzeignungsgebieten, sodass ein erheblicher Teil des Niedertemperaturbedarfs künftig über Fernwärme gedeckt werden kann.
- Abwärmenutzung: Hamburg verfügt über ein großes theoretisches Abwärmepotenzial in industriellen Prozessen.
- Elektrifizierung und Wasserstoff: Die größten langfristigen Potenziale liegen im Einsatz von Strom (direkte Elektrifizierung) sowie grünem Wasserstoff.
- Erneuerbare Wärmequellen: Tiefengeothermie, Solarthermie und Abwasserwärme könnten punktuell Beiträge leisten, bedürfen jedoch einer standortindividuellen Untersuchung
Blick nach vorn: Sinkender Bedarf, klimaneutrale Perspektive
Im modellierten Zielszenario sinkt der Prozesswärmebedarf bis 2045 auf 8,4 TWh – ein Rückgang um rund 18 %. Besonders stark ist die Reduktion in der Mineralölverarbeitung. Gleichzeitig verändert sich der Energieträgermix grundlegend: Fossile Energieträger verlieren deutlich an Bedeutung, während Strom, Wasserstoff, Fernwärme und Wärmepumpen zentrale Rollen übernehmen.
Damit können in diesem Zielszenario für den Teilbereich Prozesswärme die Treibhausgasemissionen für diesen Anwendungszweck bis zur Klimaneutralität vollständig reduziert werden. Insgesamt ergibt sich bis 2045 eine Einsparung von rund 2,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, mit den größten Effekten in den industriellen Schwerpunktgebieten südlich der Elbe.
Empfehlungen für die Umsetzung
Um diese Potenziale zu realisieren, empfiehlt das Gutachten unter anderem:
- den gezielten Ausbau von Fernwärme-, Strom- und Wasserstoffinfrastruktur in Industriegebieten,
- mehr Planungssicherheit für Unternehmen,
- beschleunigte Genehmigungsprozesse und passgenaue Förderangebote,
- sowie einen intensiveren Dialog mit der Industrie, um Investitionen zu erleichtern und Transformationshemmnisse abzubauen.
Downloads
Die Studie „Wärmeplanung Hamburg – Teilbereich Prozesswärme“ steht im Transparenzportal der Stadt Hamburg zum Download bereit.
Ebenfalls im Transparenzportal verfügbar ist die 2025 von HIC Consulting ebenso im Rahmen der hamburgischen Wärmeplanung erarbeitete Studie „Räumliche Erfassung von Abwärmepotenzialen in Hamburg“

Sprechen Sie uns gern an! Dr. Tobias Zimmermann freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme.