Mit der Studie „Wärmeplanung Hamburg – Teilbereich Prozesswärme“ liegt erstmals eine systematische Analyse des industriellen und gewerblichen Prozesswärmebedarfs für Hamburg vor. Die Untersuchung ergänzt die kommunale Wärmeplanung der Stadt Hamburg um den Sektor Prozesswärme und schafft eine Datengrundlage für die Dekarbonisierung der industriellen Wärmeversorgung. Sie zeigt sowohl den heutigen Bedarf als auch konkrete Transformationspfade hin zur Klimaneutralität bis 2045 auf.
Hintergrund & Aufgabe
Hamburg ist durch das Hamburgische Klimaschutzgesetz sowie das Bundesgesetz zur Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (WPG) verpflichtet, bis zum 30. Juni 2026 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen. Seit Inkrafttreten des WPG umfasst diese Planung neben der Gebäudewärme auch die Prozesswärme in Industrie und Gewerbe.
Vor diesem Hintergrund beauftragte die Freie und Hansestadt Hamburg eine ergänzende Studie, um den Prozesswärmebedarf systematisch zu analysieren. Ziel war, Umfang, räumliche Verteilung und Struktur der Prozesswärme zu erfassen sowie Potenziale für eine klimaneutrale Umstellung zu identifizieren. Die Studie wurde von HIC Consulting in Zusammenarbeit mit PlanEnergi erstellt und dient als fachlicher Baustein der kommunalen Wärmeplanung.
Die Datengrundlage basiert auf unternehmensindividuellen Informationen, die der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) als planungsverantwortlicher Stelle vorliegen. Für die Veröffentlichung wurden alle Ergebnisse aggregiert, sodass Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse vollständig gewahrt bleiben.
Vorgehen & Inhalte der Studie
Die Analyse zeigt, dass der Prozesswärmebedarf in Hamburg derzeit rund 10,3 TWh pro Jahr beträgt und etwa ein Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs des verarbeitenden Gewerbes ausmacht. Der Bedarf wird von wenigen energieintensiven Branchen dominiert, insbesondere der Metallerzeugung und -bearbeitung, der Mineralölverarbeitung sowie der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. Räumlich konzentrieren sich hohe Bedarfe und Treibhausgasemissionen vor allem in den Industriegebieten im Süden und Südwesten der Stadt, insbesondere im Hafenumfeld.
Auf Basis einer detaillierten Bottom-up-Analyse identifiziert die Studie erhebliche Transformationspotenziale. Ein wesentlicher Hebel ist der Anschluss geeigneter Betriebe an die Fernwärme, insbesondere zur Deckung von Niedertemperaturbedarfen. Darüber hinaus bestehen große theoretische Potenziale zur Nutzung industrieller Abwärme. Langfristig werden vor allem die direkte Elektrifizierung von Prozessen sowie der Einsatz von grünem Wasserstoff als zentrale Optionen für Hochtemperaturprozesse bewertet. Ergänzend können erneuerbare Wärmequellen wie Tiefengeothermie, Solarthermie oder Abwasserwärme punktuell Beiträge leisten, erfordern jedoch standortspezifische Prüfungen.
Im modellierten Zielszenario sinkt der Prozesswärmebedarf bis 2045 auf 8,4 TWh (−18 % gegenüber heute). Gleichzeitig verschiebt sich der Energieträgermix deutlich weg von fossilen Energien hin zu Strom, Wasserstoff, Fernwärme und Wärmepumpen. In diesem Szenario können die Treibhausgasemissionen im Bereich Prozesswärme vollständig auf Klimaneutralität reduziert werden. Insgesamt ergibt sich bis 2045 ein Einsparpotenzial von rund 2,5 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalenten, mit den größten Effekten in den industriellen Schwerpunktgebieten südlich der Elbe.
Zur Umsetzung empfiehlt die Studie unter anderem den gezielten Ausbau von Fernwärme-, Strom- und Wasserstoffinfrastruktur in Industriegebieten, mehr Planungssicherheit für Unternehmen, beschleunigte Genehmigungsprozesse, passgenaue Förderinstrumente sowie einen intensiveren Dialog zwischen Stadt und Industrie zur Reduzierung von Transformationshemmnissen.
Downloads
Die Studie „Wärmeplanung Hamburg – Teilbereich Prozesswärme“ steht im Transparenzportal der Stadt Hamburg zum Download bereit.
Ebenfalls im Transparenzportal verfügbar ist die 2025 von HIC Consulting ebenso im Rahmen der hamburgischen Wärmeplanung erarbeitete Studie „Räumliche Erfassung von Abwärmepotenzialen in Hamburg“
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Kompletter Projekttitel
Wärmeplanung Hamburg – Teilbereich Prozesswärme
Auftraggeber
Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) der Stadt Hamburg
Mitwirkende von HIC CONSULTING
Dr. Tobias Zimmermann
Max-Julian Gerlach
Leistungszeitraum
2025