GerUCCHy: Forschungsprojekt zeigt Perspektiven für die Nachweisführung von erneuerbarem Wasserstoff und grünen Gasen auf

Eine verlässliche Nachweisführung ist eine zentrale Voraussetzung für den Hochlauf und den grenzüberschreitenden Handel mit erneuerbar erzeugtem Wasserstoff und anderen grünen Gasen. Derzeit treffen jedoch unterschiedliche regulatorische Anforderungen, Nachweissysteme und Marktmechanismen aufeinander. Das deutsch-ukrainische Forschungsprojekt GerUCCHy hat diese komplexen Rahmenbedingungen am Beispiel einer perspektivischen Wasserstoff-Lieferkette zwischen der Ukraine und der Europäischen Union untersucht. Zum Projektabschluss zeigen die Ergebnisse, wo Potenziale für die Weiterentwicklung von Nachweisstrukturen liegen und welche Handlungsbedarfe auf dem Weg zu international anschlussfähigen Systemen bestehen.

Mit dem Aufbau internationaler Märkte für erneuerbaren Wasserstoff gewinnt die Frage an Bedeutung, wie dessen erneuerbare Herkunft und die Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen zuverlässig nachgewiesen werden können. Entsprechende Systeme müssen regulatorische Anforderungen erfüllen und zugleich praktikabel, transparent und über Ländergrenzen hinweg kompatibel sein.

Hier setzte das 2024 gestartete Forschungsprojekt „German-Ukrainian Research Cooperation on the Certification of Green Hydrogen (GerUCCHy) an. Die Hamburg Institut Research gGmbH – Forschungstochter der HIC Consulting GmbH – und das Institute of Renewable Energy (IRE) der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine nutzten die Perspektive eines künftigen Handels zwischen der Ukraine und der EU, um Anforderungen an Herkunftsnachweise, Nachhaltigkeitszertifizierung und die notwendige Registerinfrastruktur zu untersuchen

Nachweisführung als Infrastruktur für entstehende Märkte

Die Projektergebnisse verdeutlichen, dass die Zertifizierung von erneuerbarem Wasserstoff Teil einer umfassenden Nachweisarchitektur ist. Unterschiedliche Instrumente erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen: Proofs of Sustainability (PoS) weisen die Einhaltung regulatorischer Nachhaltigkeitsanforderungen nach, während Herkunftsnachweise (Guarantees of Origin, GOs) die Herkunft und Eigenschaften von Energie dokumentieren und insbesondere der transparenten Verbraucherinformation dienen.

Für einen funktionierenden grenzüberschreitenden Handel müssen diese Instrumente, die zugrunde liegenden Register und regulatorischen Anforderungen sinnvoll zusammenspielen. Besondere Anforderungen entstehen bei der Umwandlung von erneuerbarem Strom in Wasserstoff und beim Transfer von Nachweisen über Ländergrenzen hinweg.

Bestehende Strukturen nutzen, Schnittstellen schaffen

Für den Fall der Ukraine zeigen die im GerUCCHy-Projekt gewonnenen Forschungsergebnisse, dass für den Aufbau entsprechender Nachweissysteme bestehende Register und Zertifizierungsstrukturen wichtige Ausgangspunkte bieten können. Kurzfristig können europäische Instrumente wie die Union Database (UDB) und etablierte freiwillige Zertifizierungssysteme genutzt werden, um Zertifizierungsprozesse zu ermöglichen und Kompetenzen bei Marktakteuren, Verwaltung und Auditoren aufzubauen.

Mittel- bis langfristig bieten nationale Register mit Anbindung an die UDB zusätzliche Möglichkeiten. Dabei können integrierte Ansätze besonders vorteilhaft sein, die unterschiedliche Nachweisarten und Einsatzzwecke der Nachweisführung abdecken und perspektivisch verschiedene erneuerbare Gase zusammenführen.

In ihrem Fazit zum Projektabschluss betont die Projektleiterin Dr. Alexandra Styles:

„Die Nachweisführung zu erneuerbarem Wasserstoff und grünen Gasen bewegt sich in einem Spannungsfeld: Verbraucherinformation und Kennzeichnung von Energielieferungen basieren auf Herkunftsnachweisen und dem Book & Claim-Prinzip, das heißt grüne Eigenschaften und physische Wasserstoffmengen können getrennt voneinander gehandelt werden und werden beim Verbrauchspunkt wieder zusammengeführt. Für die Anrechnung von erneuerbarem Wasserstoff im Rahmen von politischen Zielen, dem europäischen Emissionshandel und nationalen Förderinstrumenten ist die Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen insbesondere in Bezug auf den eingesetzten Strom und Treibhausgasminderungen nachzuweisen. Außerdem sind Anforderungen an eine massenbilanzielle Nachverfolgung von Nachhaltigkeitseigenschaften entlang der gesamten Lieferkette deutlich strikter. Für die Umsetzung von Wasserstoffzertifizierungssystemen ist es empfehlenswert, beide Nachweiskontexte zusammenzudenken und möglichst integriert umzusetzen, um Synergien zu nutzen und den Bürokratieaufwand für Marktakteure zu reduzieren.“

Entscheidend seien zudem geeignete technische Schnittstellen, sowohl zwischen nationalen Strom- und Wasserstoffregistern für die Nachverfolgung des erneuerbaren Stromeinsatzes als auch für die Übertragung und Anerkennung von Nachweisen zwischen nationalen und europäischen Systemen wie der UDB.

Nachhaltigkeit weiterdenken

Darüber hinaus untersuchte unser Projektteam, welche Rolle freiwillige Nachhaltigkeitskriterien spielen können, die über regulatorische Mindestanforderungen hinausgehen. Solche Standards können Vertrauen schaffen und Produzenten eine Differenzierung in anspruchsvollen Märkten ermöglichen. Gleichzeitig sollten zusätzliche Anforderungen den Markthochlauf nicht unnötig erschweren.

Für den ukrainischen Kontext wurden insbesondere Wassernutzung, Landnutzungsrechte sowie Transparenz, Rechenschaftspflicht und Korruptionsbekämpfung als prioritäre zusätzliche Kriterien identifiziert. Weitere Aspekte können schrittweise hinzukommen, wenn sich die Märkte weiterentwickeln.

Erkenntnisse mit Perspektive

Die gewonnenen Erkenntnisse unterstreichen, dass eine verlässliche Nachweisführung eine wesentliche Infrastruktur für zukünftige Wasserstoff- und Gasmärkte darstellt. Die Projektergebnisse zeigen Potenziale und Handlungsbedarfe bei der Weiterentwicklung von Registern, Zertifizierungsprozessen und Schnittstellen auf und können damit auch über den konkreten deutsch-ukrainischen Anwendungsfall hinaus Impulse für international kompatible Nachweisstrukturen geben.

Gleichzeitig bilden sie eine Grundlage dafür, entsprechende Prozesse in der Ukraine weiterzuentwickeln und perspektivisch einen Handel mit zertifiziertem erneuerbarem Wasserstoff zwischen der Ukraine und der EU zu ermöglichen.

Über GerUCCHy

Das Projekt „German-Ukrainian Research Cooperation on the Certification of Green Hydrogen (GerUCCHy)“ ist eine Forschungskooperation zwischen der Hamburg Institut Research gGmbH und dem Institute of Renewable Energy (IRE) der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie zur Förderung internationaler Projekte zum Thema grüner Wasserstoff gefördert (Förderkennzeichen: 01DK24007).