Kaum eine Branche ist so stark auf eine stabile Energieversorgung angewiesen wie die Aluminiumindustrie. Geopolitische Krisen, Angriffe auf kritische Infrastruktur und volatile Energiemärkte erhöhen den Handlungsdruck. Im Interview mit dem Branchenmagazin International Aluminium Journal erklärt HIC Geschäftsführer Robert Werner, mit welchen Strategien Industrieunternehmen ihre Versorgung absichern, ihre Resilienz stärken und gleichzeitig die Transformation zu nachhaltiger Energie vorantreiben können.
Energiesicherheit wird zum strategischen Thema
Eine sichere und verlässliche Energieversorgung ist für die Aluminiumindustrie unverzichtbar. Während bei der Primärerzeugung vor allem Strom eine zentrale Rolle spielt, ist in der Weiterverarbeitung und im Recycling insbesondere die Prozesswärme entscheidend. Diese wird in Europa bislang überwiegend mit Erdgas erzeugt.
Seit dem Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen hat sich die europäische Gasversorgung grundlegend verändert. Flüssiggas konnte einen Teil der weggefallenen Mengen ersetzen, bringt jedoch neue Abhängigkeiten und geopolitische Risiken mit sich. Für Unternehmen wird die Frage nach der eigenen Versorgungssicherheit damit zunehmend zu einem strategischen Thema.
Für Robert Werner gewinnt Energiesicherheit an Dringlichkeit und Relevanz. Im Interview mit dem International Aluminium Journal erklärt er: „Ich glaube, dass Energiesicherheit die Klimaneutralität in Sachen Dringlichkeit und Wichtigkeit gerade ablöst.“ Die Klimaneutralität verliert damit nicht an Bedeutung. Vielmehr können beide Ziele miteinander verbunden werden. Der Ersatz von Erdgas durch erneuerbare Energien und die zunehmende Elektrifizierung können die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren und zugleich zur Dekarbonisierung beitragen.
Was Unternehmen jetzt tun können
Ein wichtiger Schritt ist aus Sicht von Robert Werner die Entwicklung standortspezifischer Szenarien für unterschiedliche Krisensituationen – etwa für einen möglichen Gasmangel oder Stromausfälle. Unternehmen sollten analysieren, welche Auswirkungen solche Szenarien auf ihre Produktion haben und wie sie ihre Energieversorgung entsprechend absichern können.
Kurzfristig können Eigenerzeugung und lokale Reserven für Strom, Wärme und Gas dazu beitragen, die Abhängigkeit von externen Lieferungen zu reduzieren. Mittelfristig geht es darum, die Prozesswärmeversorgung durch einen geeigneten Technologiemix zunehmend unabhängig von Erdgas zu machen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Elektrifizierung. „Wir raten zu selbstbestimmten Energiestrategien“, so Robert Werner.
Damit verändert sich auch der Blick auf Investitionen in die Energieversorgung. Nicht allein Kosten und Emissionen sollten entscheidend sein, sondern zunehmend auch die Frage, wie robust und unabhängig ein Standort gegenüber möglichen Versorgungsengpässen ist.
„Unternehmen sollten ihre Energieversorgung stärker selbst bestimmen und Resilienz zu einem festen Bestandteil ihrer strategischen Energieplanung machen. Denn wer seine Abhängigkeit von einzelnen Energieträgern und Lieferquellen reduziert, stärkt die Versorgungssicherheit und schafft zugleich die Grundlage für eine zukunftsfähige und zunehmend klimaneutrale Produktion.“
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Hier geht es zum Artikel „Die andere Seite der Energiewende“ im International Aluminium Journal
