Hoch hinaus und tief hinab: Das 17. Treffen des Fernwärme–Netzwerks IGFN

Theorie trifft Praxis – das ist insbesondere bei den Präsenztreffen des Netzwerks „Innovative und grüne Fernwärme Norddeutschland“ (IGFN) immer wieder das Motto. So auch beim mittlerweile 17. Meeting, das am 15. Juni in Hamburg stattfand. Nach spannenden Vorträgen in unserem Büro über den Dächern der Stadt ging es für die Teilnehmenden buchstäblich in den Untergrund: Die Hamburger Energiewerke hatten eine Besichtigung des neu gebauten Fernwärmetunnels unter der Elbe ermöglicht.

Unter der Leitfrage „Wie lassen sich Fernwärmenetze effizient und zukunftsfähig ausbauen und welche Rolle spielen dabei innovative Ansätze für den Netzbetrieb und die Infrastruktur?“ kamen die 11 Teilnehmenden zunächst in den Büroräumen des Gastgebers HIC Consulting zusammen.

Innovative Ansätze und Praxiserfahrungen im Fernwärmeleitungsbau

Nach der Begrüßung berichtete Stefan Dollhopf von der HafenCity Universität Hamburg (HCU) zur Nutzung alternativer Bettungsmaterialien aus recycelten Baustoffen im Fernwärmeleitungsbau. Hintergrund ist die zunehmende Verknappung von Sand, der laut den Vereinten Nationen nach Wasser die weltweit zweitbedeutendste Ressource ist. Während weltweit eine Sandknappheit prognostiziert wird, treten auch in Deutschland bereits regionale Lieferengpässe auf. Gleichzeitig zählt die Baubranche zu den größten Abfallverursachern. Der Vortrag zeigte auf, wie durch den Einsatz von Recyclingbaustoffen Ressourcen geschont und Stoffkreisläufe im Leitungsbau gestärkt werden können.

Im zweiten Impuls beleuchtete Daniel Scheideler vom Ingenieurbüro „Fokus Versorgung“ die Planung und Umsetzung von Fernwärmetrassen. Anhand konkreter Praxisbeispiele gab er wertvolle Einblicke in typische Herausforderungen und Erfolgsfaktoren beim Leitungsbau. Im Mittelpunkt standen Möglichkeiten, Planungs- und Genehmigungsprozesse effizienter zu gestalten und dadurch den Netzausbau zu beschleunigen sowie Kosten zu reduzieren. Dabei wurden unter anderem die frühzeitige Einbindung und Koordination relevanter Stakeholder, effiziente interne Abläufe und Entscheidungsstrukturen bei Stadtwerken, die Wahl geeigneter Rohrleitungssysteme sowie die Abstimmung zwischen Planungstiefe und praktischer Umsetzung thematisiert.

Exkursion unter der Elbe

Aus dem 15. Stock unseres Büros in Hamburg-Altona ging es anschließend zum praktischen Teil des Treffens: einer Begehung des Fernwärmetunnels, den die Hamburger Energiewerke (HEnW) unter der Elbe gebaut haben. Als Teil der so genannten Südleitung verbindet er zukünftig den Energiepark Hafen mit dem bestehenden Fernwärmenetz im Hamburger Westen.

Eine kurze Fahrt auf der Fähre brachte die Teilnehmenden zum Bubendey-Ufer auf der Südseite der Elbe. Nach einer Einführung in das Versorgungskonzept der HEnW sowie die Planung und den Bau des Fernwärmetunnels bot die Tunnelbegehung eine exklusive Möglichkeit, zentrale Infrastruktur der Wärmeversorgung aus nächster Nähe kennenzulernen. Ein herzliches Dankeschön an Projektleiter Dirk Lassen-Petersen von den HEnW für diese besonderen Praxiseinblicke und den wertvollen fachlichen Input!

Initiiert und organisiert von HIC Consulting, bietet das IGFN-Netzwerk seit 2022 eine Plattform für den Wissens- und Erfahrungsaustausch rund um die klimaneutrale Gestaltung von Fernwärmenetzen. In regelmäßigen Veranstaltungen diskutieren wir aktuelle technische, regulatorische und strategische Fragestellungen und stellen Praxisbeispiele vor.