Neue BDEW-Studie: Internationale Resilienzansätze liefern Impulse für die Energiepolitik in Deutschland

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat heute einen von HIC Consulting erarbeiteten Impuls-Report zur Energieresilienz im internationalen Vergleich veröffentlicht. Die Studie analysiert strategische Resilienzansätze ausgewählter Länder und leitet daraus konkrete Handlungsimpulse für die energiepolitische Diskussion in Deutschland ab.

Energieresilienz als zentrale Systemanforderung
Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen kritischer Infrastrukturen, Cyberrisiken, zunehmender Wetterextreme und neuer Importabhängigkeiten gewinnt die Resilienz von Energiesystemen zunehmend an Bedeutung. Ziel des Projekts war, internationale Erfahrungen systematisch auszuwerten und ihre Relevanz für die Weiterentwicklung der deutschen Resilienzstrategie einzuordnen.

Im Rahmen der Untersuchung analysierte HIC Consulting Ansätze aus sechs Kernländern – Finnland, Schweden, Japan, Großbritannien, Polen und Litauen – sowie ergänzend aus Israel, der Ukraine und China. Betrachtet wurden vier zentrale Handlungsfelder: institutionelle Rahmenbedingungen und Kooperationsstrukturen, Szenarien und Planungsinstrumente, strategische Reserven sowie Netz- und Systemarchitekturen.

Internationale Erfahrungen als Orientierung für Deutschland
Auf Basis des internationalen Vergleichs identifiziert der Bericht Gemeinsamkeiten, Unterschiede und wiederkehrende Erfolgsfaktoren. Daraus wurden drei übergeordnete Maßnahmenimpulse zum institutionellen Rahmen sowie zwölf weitere Diskussionsimpulse für Politik und Energiewirtschaft abgeleitet. Darüber hinaus entwickelt die Studie einen Ordnungsrahmen für die Erstellung von Resilienzszenarien, einschließlich einer Typologisierung möglicher Krisenlagen und eines Szenariobaukastens.

„Die internationale Perspektive zeigt, dass Resilienz zunehmend als eigenständige strategische Dimension der Energiepolitik verstanden werden muss. Viele Länder verfolgen bereits ganzheitliche Ansätze, die institutionelle Strukturen, Krisenvorsorge und gesellschaftliche Resilienz miteinander verbinden. Daraus ergeben sich wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des deutschen Vorgehens“, sagt Jakob Schlandt, Projektleiter bei HIC Consulting.

BDEW: Energieresilienz strategisch weiterdenken
„Die Studie von HIC Consulting versteht Energieresilienz nicht als bloße Ausfallsicherheit oder Krisenvermeidung, sondern als die Fähigkeit eines Energiesystems, auch bei schweren und teils unvorhergesehenen Störereignissen funktionsfähig zu bleiben, sich schnell zu erholen und aus Krisen strukturell zu lernen“, betont der BDEW.

Aus der Analyse leitet der Verband insbesondere die Einrichtung einer ressortübergreifend federführenden Stelle für Energieresilienz, die Verstetigung des Resilienzdialogs zwischen Staat und Energiewirtschaft sowie die Entwicklung einer hochrangig verankerten nationalen Resilienzstrategie ab.

Mit dem heute veröffentlichten Impuls-Report liegt eine fundierte Grundlage für die weitere Diskussion zur Stärkung der Energieresilienz in Deutschland vor. Die Ergebnisse sollen die Akteure in Kommunen, bei kommunalen Unternehmen sowie in Stadtwerken und der gesamten Energiewirtschaft dabei unterstützen, Resilienz künftig als eigenständige Systemanforderung der Energieversorgung stärker zu verankern.

„Kritis und NIS II sind operativ notwendig, stellen aber einen Bottom-up-Ansatz dar. Nun muss über einen Top-down-Ansatz die Energieresilienz als Gesamtstrategie in die Regulierung der Energiewirtschaft und in den Kommunen umgesetzt werden“, betont HIC Consulting Geschäftsführer Robert Werner.

Weiterführende Informationen

Hier finden Sie die Studie „Resilienz als Systemanforderung der Energieversorgung im internationalen Vergleich“ (PDF)

Hier geht’s zur Pressemitteilung des BDEW vom 23.06.2026